Wie du körpersprachlich Sicherheit vermittelst
Warum dein Hund sich an dir orientiert – und wie du ihm mit deiner eigenen Ausstrahlung echte Ruhe schenkst
Hunde lesen uns ununterbrochen – oft viel feiner, als wir selbst es merken. Gerade unsichere oder sensible Hunde scannen jedes Detail: unsere Haltung, unsere Atmung, unsere Bewegungen, unseren Blick. Sie orientieren sich daran, ob die Welt gerade ein sicherer oder unsicherer Ort ist.
Die gute Nachricht:
Du kannst deinem Hund Sicherheit nicht „einreden“ – aber du kannst sie ihm zeigen.
Und genau darum geht es hier, um körpersprachlich Sicherheit vermitteln.

1. Ruhe beginnt bei dir – warum dein innerer Zustand entscheidend ist
Hunde spiegeln häufig unsere innere Stimmung.
Wenn wir hektisch, angespannt oder unsicher auftreten, wird dein Hund automatisch wachsamer.
Darum helfen diese einfachen Grundlagen:
✔️ Atme ruhig und gleichmäßig
Vor allem in kritischen Situationen: andere Hunde, neue Orte, Menschen, Geräusche.
✔️ Vermeide ruckartige Bewegungen
Langsamkeit wirkt auf Hunde wie eine Sicherheitsbotschaft.
✔️ Bleibe stehen statt zu ziehen
Wenn dein Hund plötzlich unsicher wird, ist ein ruhiges Stehenbleiben oft effektiver als Weitergehen.
Denn: Körpersprache beruhigt schneller als Worte.
2. Aufrechte, stabile Körperhaltung – ohne Spannungsaufbau
Die Haltung ist bei Hunden ein Riesensignal.
Aufrechte, aber weiche Körpersprache vermittelt:
- „Ich sehe die Situation.“
- „Ich bin ruhig.“
- „Ich habe das im Griff.“
Wichtig ist der Unterschied zwischen aufrecht und angespannt:
| Sicher | Unsicher/Spannung |
|---|---|
| Schultern locker | Schultern hochgezogen |
| Brust neutral | Brust stark rausgestreckt |
| Knie leicht gebeugt | Beine steif |
| Atmung ruhig | Atmung flach |
Kleine Veränderung – große Wirkung.
3. Dein Blick: freundlich, weich und kurz
Viele Hunde empfinden langes, direktes Anstarren als unangenehm oder bedrohlich.
👉 Weicher Blick + kurze Kontaktaufnahme + Wieder wegschauen
= perfekte Mischung aus Orientierung und Ruhe.
Gerade bei unsicheren Hunden gilt:
- Kein Starren in Konfliktsituationen
- Kein hektisches Hin- und Herschauen
- Sondern: ruhige Orientierung
Du prüfst die Umgebung – nicht dein Hund.
4. Zeig deinem Hund sichere Bewegungsrouten
Wie du dich im Raum bewegst, sagt deinem Hund: „Hier geht’s lang, und es ist alles okay.“
Tipps:
- Gehe bewusst, statt schnell
- Nimm leichte Bögen statt frontal auf Reize zuzugehen
- Positioniere dich notfalls zwischen Hund und Auslöser
- Nutze deinen Körper, um Raum zu geben oder Raum zu schützen
Ein kleiner Schritt zur Seite kann für deinen Hund ein riesiges Sicherheitsgefühl erzeugen.
5. Körpersprachlich Grenzen setzen – freundlich, aber klar
Viele Hunde reagieren unsicher, weil sie nicht wissen, wer gerade „die Verantwortung“ hat.
Du kannst durch ruhige Körpersprache Orientierung geben.
Beispiele:
✔️ Wenn dein Hund vordrängelt:
Leicht eindrehen, Schritt vor den Hund → „Warte kurz.“
✔️ Wenn etwas zu nah kommt (Hund/Mensch/Gegenstand):
Ruhig dazwischengehen → „Ich kümmere mich.“
✔️ Wenn dein Hund Schutz sucht:
Nicht wegducken oder zurückweichen, sondern stabil stehen bleiben.
Es geht nicht um Dominanz – sondern um Präsenz.
6. Die Magie der Bewegung: Sicherheit durch Rhythmus
Viele Hunde entspannen, wenn der Mensch vorhersehbar bleibt.
Das erreichst du durch:
- ruhiges Gehen
- gleichmäßige Schritte
- klare Richtungswechsel
- Pausen, in denen du kurz stehen bleibst und atmest
Diese kleinen „Rhythmen“ vermitteln deinem Hund:
Alles bleibt im sicheren Rahmen.
7. Nonverbale Signale der Sicherheit – deine „Stille Sprache“
Dein Hund versteht eine ganze Reihe an subtilen Signalen:
✔️ Gewicht leicht zurücknehmen
zeigt: „Ich gehe nicht in den Konflikt.“
✔️ Schultern entspannen
zeigt: „Es ist nicht gefährlich.“
✔️ Hände ruhig halten
zeigt: „Ich habe keinen Stress.“
✔️ Blick in die Umgebung statt ins Problem
zeigt: „Ich sehe alles – und es passt.“
Für Hunde ist das wie ein körpersprachlicher Schutzschirm.
8. Sicherheit in herausfordernden Momenten
Hier ein leicht anwendbares Mini-Protokoll:
👉 Schritt 1: Tief ein- und ausatmen
Mach dich weich.
👉 Schritt 2: Stabile Position einnehmen
Füße hüftbreit, Knie locker.
👉 Schritt 3: Körper seitlich zum Auslöser
Ein seitliches Signal ist freundlicher als ein frontales.
👉 Schritt 4: Kurzer Blick – Umgebung scannen
„Ich sehe das.“
👉 Schritt 5: Ruhige Weiterbewegung oder Anhalten
Je nach Situation.
Mit dieser Körperhaltung kannst du sogar Situationen entschärfen, ohne ein einziges Wort zu sagen.
9. Sicherheit bedeutet nicht, alles perfekt zu machen
Kein Mensch ist jeden Tag ruhig und zentriert.
Wichtig ist:
- Ehrlich mit sich selbst zu sein
- Verantwortung zu übernehmen
- Kleine Schritte zu gehen
- Nicht streng zu werden – weder mit dir noch mit deinem Hund
Hunde brauchen keine perfekten Menschen.
Sie brauchen verlässliche Menschen, die bereit sind zu lernen.
Fazit: Deine Körpersprache ist das sicherste Signal der Welt
Sicherheit entsteht nicht durch „Kommandos“, sondern durch Präsenz, Ruhe und Klarheit.
Je mehr du lernst, deinen Körper bewusst einzusetzen, desto stärker wird die Verbindung zwischen dir und deinem Hund.
Und dein Hund wird sich zunehmend trauen, sich an dir zu orientieren – weil er spürt:
„Bei dir bin ich sicher.“
👉 Möchtest du noch tiefer in die Körpersprache deines Hundes eintauchen?
Dann lies als Nächstes meinen Beitrag
Positive Verstärkung – warum sie gerade bei unsicheren Hunden so wichtig ist
und erfahre, wie du mit kleinen, liebevollen Signalen das Vertrauen deines Hundes stärkst.

